Die Frage, wie viele Insekten durch Windkraftanlagen sterben, wird seit einigen Jahren intensiv diskutiert. Die Zahlen wirken oft sehr hoch, sind aber wissenschaftlich umstritten und müssen sorgfältig eingeordnet werden.
Die bekannteste Schätzung
Eine häufig zitierte Modellrechnung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) kommt zu folgendem Ergebnis:
- Mehrere Milliarden Insekten pro Tag könnten theoretisch in den Rotorbereich gelangen
- Daraus ergibt sich eine Größenordnung von etwa
1.200 Tonnen Insekten pro Jahr in Deutschland (artensterben.de)
Diese Zahl basiert jedoch nicht auf direkten Messungen, sondern auf Annahmen zu:
- Insektendichte in der Luft
- Flughöhen
- Kollisionswahrscheinlichkeit (z. B. ca. 5 %) (Bündnis 90/Die Grünen)
Was bedeuten diese Zahlen wirklich?
Auf den ersten Blick wirken „Milliarden Insekten“ dramatisch. Doch die Einordnung ist entscheidend:
- Es handelt sich um eine theoretische Hochrechnung, keine exakte Zählung
- Die Gesamtmenge aller Insekten ist extrem groß – ein direkter Vergleich ist schwierig
- Andere natürliche Faktoren sind deutlich bedeutender
Zum Beispiel:
- Vögel fressen allein in deutschen Wäldern geschätzt hunderttausende Tonnen Insekten pro Jahr (lbv.de)
Einschätzung der Forschung (Stand 2026)
Die wissenschaftliche Bewertung ist heute deutlich differenzierter:
1. Kein klarer Beleg für starken Einfluss auf das Insektensterben
Viele Fachleute betonen, dass aus den Modellzahlen kein direkter Zusammenhang mit dem allgemeinen Insektenrückgang abgeleitet werden kann (artensterben.de)
2. Andere Ursachen sind deutlich wichtiger
Der Rückgang von Insekten wird vor allem verbunden mit:
- Landwirtschaft (Pestizide, Monokulturen)
- Lebensraumverlust
- Klimawandel
- Lichtverschmutzung
3. Forschungslage bleibt unsicher
Es fehlen bis heute:
- großflächige Messdaten
- Langzeitstudien speziell zu Windkraft und Insekten
Kritik an den hohen Zahlen
Ein zentraler Kritikpunkt ist die Methodik:
- Die Berechnungen basieren auf vereinfachten Annahmen
- Kleine Änderungen der Parameter können die Ergebnisse stark verändern
- Einige Biologen halten die Zahlen daher für überschätzt oder schwer interpretierbar (taz.de)
Fazit
Im Jahr 2026 gilt:
- Es gibt Schätzungen von etwa 1.200 Tonnen Insekten pro Jahr durch Windräder in Deutschland
- Diese Zahlen beruhen auf Modellen, nicht auf direkten Messungen
- Ein signifikanter Einfluss auf das weltweite Insektensterben ist nicht belegt
- Andere Faktoren spielen nach aktuellem Forschungsstand eine deutlich größere Rolle
Windkraft hat also durchaus Auswirkungen auf Insekten, aber ihr Beitrag zum Insektensterben wird heute als vergleichsweise gering und wissenschaftlich unsicher eingeschätzt.
Quellen und weiterführende Links
- DLR / Naturschutz Energiewende – Studie zu Insekten und Windkraft:
https://www.naturschutz-energiewende.de - LBV – Insektensterben und Windkraft:
https://www.lbv.de/naturschutz/standpunkte/insektensterben - Deutsche Wildtier Stiftung – Windenergie und Insekten:
https://www.deutschewildtierstiftung.de - Artensterben.de – Einordnung der Studien:
https://www.artensterben.de
Wenn du möchtest, kann ich dir die Zahlen auch grafisch erklären oder mit anderen Ursachen des Insektensterbens vergleichen.