Wildbienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern in Deutschland. Gleichzeitig ist ein erheblicher Teil der heimischen Arten gefährdet oder bereits ausgestorben beziehungsweise verschollen. Die häufig genannte Zahl von rund 560 Wildbienenarten bezieht sich auf die Rote Liste der Bienen Deutschlands von 2011. Damals wurden 561 etablierte Bienenarten erfasst, darunter auch die Honigbiene. Eine aktuelle taxonomische Checkliste von 2023 kommt inzwischen auf 604 aktuell oder ehemals einheimische Wildbienenarten. Eine neue bundesweite Rote Liste befindet sich noch in Vorbereitung. (Rote Liste Zentrum)
Für eine Statistik im Jahr 2026 ist deshalb wichtig, zwischen der letzten bundesweiten Gefährdungsbewertung und der heute höheren Artenzahl zu unterscheiden.
Wildbienen in Deutschland: Die wichtigsten Zahlen
Die Rote Liste bewertete 557 einheimische Bienenarten. Davon waren 228 Arten aktuell bestandsgefährdet. Weitere 26 Arten wurden als extrem selten eingestuft. 39 Arten galten als ausgestorben oder verschollen. (Bundesamt für Naturschutz)
| Kategorie | Anzahl Arten | Anteil an 557 bewerteten Arten |
|---|---|---|
| Bestandsgefährdet | 228 | ca. 40,9 % |
| Extrem selten | 26 | ca. 4,7 % |
| Ausgestorben oder verschollen | 39 | ca. 7,0 % |
| Vorwarnliste | ca. 45 | ca. 8 % |
| Ungefährdet | ca. 206 | ca. 37 % |
| Daten unzureichend | ca. 17 | ca. 3 % |
| Bewertete Arten insgesamt | 557 | 100 % |
Die Werte beruhen auf der bundesweiten Roten Liste der Bienen mit Stand 2011. Die Kategorien können sich durch spätere taxonomische Änderungen und neue Erkenntnisse verändern. Die aktuelle Rote-Liste-Zentrum-Seite weist ausdrücklich darauf hin, dass eine neue bundesweite Rote Liste der Bienen vorbereitet wird. (Rote Liste Zentrum)
Wie hoch ist der Anteil gefährdeter Wildbienen?
Von den 557 bewerteten einheimischen Bienenarten waren 228 bestandsgefährdet. Das entspricht rund 40,9 Prozent.
Das Bundesamt für Naturschutz fasst die Situation teilweise breiter zusammen: Werden bestandsgefährdete Arten und bereits ausgestorbene beziehungsweise verschollene Arten gemeinsam betrachtet, betrifft dies rund 48 Prozent der damals bewerteten Arten. Das Rote-Liste-Zentrum kommt ebenfalls zu der Aussage, dass etwa 48 Prozent der 557 bewerteten Bienenarten bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben sind. (Rote Liste Zentrum)
Damit lässt sich für die häufig verwendete Ausgangsbasis von rund 560 Arten folgende Größenordnung festhalten:
| Kennzahl | Anteil |
|---|---|
| Bestandsgefährdete Arten | ca. 41 % |
| Ausgestorbene/verschollene Arten | ca. 7 % |
| Gefährdet oder ausgestorben/verschollen zusammen | ca. 48 % |
| Ungefährdete Arten | ca. 37 % |
| Extrem selten | ca. 5 % |
| Vorwarnliste | ca. 8 % |
| Daten unzureichend | ca. 3 % |
Aufgrund von Rundungen und unterschiedlichen Bezugsgrößen können sich die Prozentwerte geringfügig unterscheiden.
Was bedeutet „ausgestorben oder verschollen“?
Die Kategorie „ausgestorben oder verschollen“ sollte nicht automatisch mit einem endgültig nachgewiesenen Aussterben gleichgesetzt werden. Bei Roten Listen werden Arten teilweise als verschollen geführt, wenn über längere Zeit keine belastbaren Nachweise mehr vorliegen.
In der damaligen bundesweiten Bewertung wurden 39 Arten dieser Kategorie zugeordnet. Das entspricht rund sieben Prozent der 557 bewerteten Arten. (Bundesamt für Naturschutz)
Die Unterscheidung ist für die Interpretation der Statistik wichtig. Eine Art kann in Deutschland über längere Zeit nicht mehr nachgewiesen werden, ohne dass mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass noch einzelne Vorkommen existieren.
Warum sind Wildbienen besonders gefährdet?
Wildbienen haben teilweise sehr spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum. Einige Arten benötigen bestimmte Pflanzen als Pollenquelle, andere sind auf bestimmte Bodenstrukturen oder Nistmöglichkeiten angewiesen.
Das Rote-Liste-Zentrum nennt als wichtige Voraussetzungen ein ausreichendes Angebot an Nektar und Pollen sowie geeignete Strukturen für die Anlage von Nestern. Dazu können beispielsweise Totholz, abgestorbene Pflanzenstängel, Lehmwände oder offene Sandflächen gehören. Intensive Landwirtschaft und großflächige Monokulturen bieten dagegen häufig deutlich weniger geeignete Strukturen. (Rote Liste Zentrum)
Besonders problematisch können hoch spezialisierte Arten sein. Wenn eine Wildbiene beispielsweise auf wenige Pflanzenarten angewiesen ist und diese Pflanzen aus einer Landschaft verschwinden, verliert auch die Biene einen wichtigen Teil ihrer Nahrungsgrundlage.
Neue Artenzahl: Warum 2026 nicht mehr nur von 561 Arten gesprochen wird
Die Zahl von rund 560 Wildbienenarten ist inzwischen vor allem eine historische Bezugsgröße. Eine 2023 veröffentlichte aktualisierte Checkliste enthält 604 aktuell oder ehemals einheimische Bienenarten in Deutschland. Die höhere Zahl bedeutet nicht automatisch, dass sich die Situation für Wildbienen verbessert hat.
Neue Arten können beispielsweise durch bessere taxonomische Untersuchungen erkannt oder aufgrund neuer Nachweise in Deutschland aufgenommen werden. Auch Veränderungen der Verbreitungsgebiete können eine Rolle spielen. (Rote Liste Zentrum)
Deshalb wäre es methodisch falsch, die 39 ausgestorbenen beziehungsweise verschollenen Arten aus der alten Roten Liste einfach auf die heutigen 604 Arten zu übertragen und daraus eine aktuelle Gefährdungsquote für 2026 zu berechnen.
Neue Rote Liste wird vorbereitet
Für eine wirklich aktuelle bundesweite Statistik ist die nächste Rote Liste der Bienen besonders wichtig. Das Rote-Liste-Zentrum weist darauf hin, dass eine neue bundesweite Rote Liste derzeit von Wildbienenexperten vorbereitet wird. (Rote Liste Zentrum)
Bis diese Bewertung veröffentlicht ist, bleiben die Zahlen der Roten Liste von 2011 die maßgebliche bundesweite Referenz für die Gefährdungseinstufung. Die neuere Arten-Checkliste von 2023 liefert dagegen eine aktualisierte taxonomische Grundlage.
Das Bundesamt für Naturschutz erklärt grundsätzlich, dass Rote Listen die Gefährdung anhand von Bestandssituation und Bestandsentwicklung bewerten und regelmäßig aktualisiert werden. (Bundesamt für Naturschutz)
Regionale Unterschiede bei der Wildbienen-Gefährdung
Die Gefährdungssituation kann regional deutlich anders aussehen als in der bundesweiten Statistik. Ein Beispiel liefert Baden-Württemberg: Dort wurde 2025 eine aktualisierte Rote Liste veröffentlicht. Nach Angaben des Rote-Liste-Zentrums sind dort rund 500 Wildbienenarten bekannt. Fast jede zweite Art gilt als gefährdet.
Der Anteil der vom Aussterben bedrohten Arten lag dort bei 16,3 Prozent. 6,9 Prozent wurden als ausgestorben oder verschollen eingestuft. Diese Zahlen sind allerdings nicht auf ganz Deutschland übertragbar, sondern beziehen sich ausschließlich auf Baden-Württemberg. (Rote Liste Zentrum)
Wildbienen-Gefährdung 2026: Zusammenfassung
| Bereich | Statistik |
|---|---|
| Historische bundesweite Artenzahl | 561 |
| Für die Rote Liste bewertete Arten | 557 |
| Bestandsgefährdete Arten | 228 |
| Anteil bestandsgefährdet | ca. 41 % |
| Ausgestorben/verschollen | 39 |
| Anteil ausgestorben/verschollen | ca. 7 % |
| Gefährdet + ausgestorben/verschollen | ca. 48 % |
| Neue Checkliste 2023 | 604 Arten |
| Aktuelle bundesweite Rote Liste | in Vorbereitung |
| Datenbasis der Gefährdungsquote | Rote Liste 2011 |
Fazit
Die Wildbienen-Statistik zeigt eine erhebliche Gefährdung der heimischen Arten. Auf Grundlage der bislang maßgeblichen bundesweiten Roten Liste waren rund 41 Prozent der bewerteten Arten bestandsgefährdet. Weitere rund 7 Prozent galten als ausgestorben oder verschollen. Zusammen ergibt sich damit eine Größenordnung von etwa 48 Prozent, die entweder bestandsgefährdet oder bereits verschwunden beziehungsweise verschollen waren. (Rote Liste Zentrum)
Für 2026 muss die Statistik jedoch mit einer wichtigen Einschränkung versehen werden: Die oft verwendeten 561 Arten stammen aus der Roten Liste von 2011. Die aktuelle Checkliste von 2023 umfasst bereits 604 aktuell oder ehemals einheimische Arten. Eine neue bundesweite Rote Liste ist in Vorbereitung. (Rote Liste Zentrum)
Damit sind die alten Prozentwerte weiterhin eine wichtige Vergleichsbasis, aber keine vollständig aktualisierte Gefährdungsstatistik für alle 604 heute bekannten Arten. Erst die nächste bundesweite Rote Liste wird zeigen, wie sich die Gefährdungseinstufungen auf der aktualisierten Artenbasis darstellen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Rote-Liste-Zentrum – Bienen (Hymenoptera: Apidae)
- Rote-Liste-Zentrum – Neue Checkliste für deutsche Wildbienen
- Bundesamt für Naturschutz – BienABest: Standardisierte Erfassung von Wildbienen
- Bundesamt für Naturschutz – Rote Listen Tiere, Pflanzen und Pilze
- Rote-Liste-Zentrum – Neue Rote Liste der Wildbienen in Baden-Württemberg